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Die Amalfiküste: Europas schönster Küstenabschnitt

Kompletter Reiseführer zur Amalfiküste: Positano, Amalfi, Ravello, der Götterpfad, lokale Küche und die beste Art, sie zu erkunden.

17. Februar 2026
6 Min. Lesezeit
Die Amalfiküste: Europas schönster Küstenabschnitt

Es gibt eine Kurve auf der Straße SS163 — ungefähr auf Höhe von Conca dei Marini — wo das Mittelmeer plötzlich zwischen zwei Bergen auftaucht und das Blau so intensiv ist, dass es gemalt wirkt. In diesem Moment, mit dem Auto bei kaum dreißig Stundenkilometern, weil die Straße nicht mehr erlaubt, versteht man, warum die Amalfiküste seit Jahrhunderten jeden fasziniert, der hier vorbeifährt. Es ist nicht nur eine Landschaft: Es ist eine Absichtserklärung der Natur, die beschloss, in fünfzig Kilometer Küste alles zu komprimieren, was sie zu bieten hat. Die UNESCO verstand das 1997, als sie diese Klippen, Dörfer und Zitronenterrassen zum Weltkulturerbe erklärte und damit anerkannte, was Reisende, Künstler und Schriftsteller seit Generationen wussten: dass dieser Winkel Kampaniens ein außergewöhnliches Beispiel mediterraner Landschaft ist, in der der Mensch seit über tausend Jahren mit einer dramatischen Topografie zusammenlebt.

Die SS163: eine Straße aus Schwindel und Schönheit

Die Strada Statale 163 Amalfitana ist zugleich die größte Attraktion und die größte Herausforderung der Region. Ihre Geschichte beginnt 1807, als Joseph Bonaparte, fasziniert von der Küste bei einem Besuch, den Bau einer Straße anordnete, um diese zwischen Klippen isolierten Dörfer zu verbinden. Die Arbeiten dauerten fast vierzig Jahre, und die Straße wurde schließlich am 12. Januar 1853 eröffnet, Vietri sul Mare mit Amalfi verbindend. Seitdem schlängelt sich die SS163 über gut fünfzig Kilometer zwischen senkrechten Felswänden mit Haarnadelkurven, die bei jeder Kehre atemberaubende Ausblicke bieten.

Sie zu befahren ist eine Erfahrung aus Schwindel, Schönheit und dem Adrenalin, einem Bus in einer unübersichtlichen Kehre zu begegnen. Sie gilt als eine der spektakulärsten Panoramastraßen der Welt. Der Trick der Einheimischen: früh losfahren. Vor neun Uhr morgens ist die Straße eine andere Welt — leer, still, mit Morgenlicht, das die Klippen vergoldet. Nach Mittag verwandelt sie sich in einen monumentalen Stau, besonders zwischen Juni und September.

Küstenblick bei Neapel
Die spektakuläre Küstenlinie aus der Höhe betrachtet

Positano: das vertikale Dorf

Positano ist das Dorf, das auf allen Fotos erscheint und das — einmal im Leben — nicht enttäuscht. Seine pastellfarbenen Häuser — Rosa, Terrakotta, Gelb, Weiß — kaskadieren eine Klippe hinunter zu einem dunklen Kieselstrand. Aber Positano hat einen Haken: Alles besteht aus Treppen. Auf- und Absteigen ist die Hauptbeschäftigung.

Dafür offenbart jede Ebene eine andere Perspektive. Unten Modeboutiquen und maßgefertigte Sandalen — positanesische Mode ist eine Handwerkstradition seit den 1950er Jahren. In der Mitte Gassen mit Bougainvillea. Und über allem die Kirche Santa Maria Assunta mit ihrer polychromen Majolika-Kuppel in Grün- und Gelbtönen. Der beste Moment: bei Sonnenuntergang, wenn die Fassaden sich in Rosa und Orange färben und die Silhouette der Li-Galli-Inseln sich gegen einen brennenden Himmel abzeichnet.

Amalfi: die vergessene Republik

Man vergisst leicht, dass Amalfi eine der vier großen Seerepubliken Italiens war, neben Pisa, Genua und Venedig. Im 11. Jahrhundert beherrschten seine Seefahrer das Mittelmeer bis Byzanz und Nordafrika. Sein Seerecht — die Amalfitanischen Tafeln — regulierte den Seehandel über Jahrhunderte.

Der Dom von Amalfi, dem heiligen Andreas geweiht, ist eine architektonische Extravaganz aus arabisch-normannischen, gotischen, Renaissance- und Barockelementen, mit einer monumentalen Freitreppe von 57 Stufen. Die Bronzetüren wurden 1060 in Konstantinopel geschmiedet. Unter dem Hauptaltar ruhen die Reliquien des Apostels Andreas, 1208 nach der Vierten Kreuzzug aus Konstantinopel gebracht. Der Kreuzgang des Paradieses (1266-1268) zeigt verflochtene Bögen maurischen Einflusses.

Das Interessanteste liegt vielleicht oberhalb: das Valle dei Mulini, wo die Papiermühlen arbeiteten, die Amalfi zu einem der ersten Papierproduzenten Europas machten. Die von tropischer Vegetation überwucherten Ruinen wirken wie ein Filmset.

Panoramablick auf die Bucht von Neapel
Neapel und seine Bucht, idealer Ausgangspunkt zur Erkundung der Amalfiküste

Ravello: der Balkon des Himmels

Ravello liegt 350 Meter über dem Meer und eine Welt entfernt vom Küstentrubel. Keine Strände, kein Hafen: nur schwebende Gärten, mittelalterliche Paläste und Ausblicke, die einige der berühmtesten Werke der europäischen Kultur inspiriert haben.

Die Villa Rufolo ist der Ort, an dem Richard Wagner die Inspiration fand, die er über zwei Jahrzehnte gesucht hatte. Am 26. Mai 1880 besuchte der Komponist Ravello und schrieb ins Gästebuch des Albergo Palumbo: 'Il giardino magico di Klingsor è trovato' — 'Klingsors Zaubergarten ist gefunden'. Er bezog sich auf den zweiten Akt seines Parsifal, dessen Komposition stagnierte. Die Gärten entblockierten seine Imagination, und Parsifal wurde weniger als zwei Jahre später uraufgeführt. Das Ravello-Festival, seit 1953 jeden Sommer in diesen Gärten, ehrt diese Verbindung.

Die Villa Cimbrone bietet die Terrazza dell'Infinito — einen Aussichtspunkt mit Marmorbüsten, von dem aus man die gesamte Küste bis Paestum überblickt. Gore Vidal, der von 1972 bis 2004 in der nahen La Rondinaia lebte, nannte sie die schönste Aussicht seiner Reisen.

Praiano: die ruhige Alternative

Zwischen Positano und Amalfi versteckt sich ein Fischerdorf von kaum zweitausend Einwohnern, das seine Authentizität bewahrt hat. Keine Luxusboutiquen, keine Sternerestaurants: Fischernetze in der Sonne, Nachbarn, die sich beim Namen grüßen, und Sonnenuntergänge über der Bucht von Positano, die zu den schönsten der Küste zählen. Praiano ist eine ideale Basis mit günstigeren Unterkünften und Zugang zum Sentiero degli Dei.

Der Götterpfad: Wandern zwischen Himmel und Meer

Der Sentiero degli Dei ist ein etwa sieben Kilometer langer Wanderweg von Bomerano nach Nocelle oberhalb von Positano. Auf über sechshundert Metern Höhe führt er durch duftende mediterrane Macchia, verlassene Weinterrassen und natürliche Aussichtspunkte mit Blick auf die Faraglioni von Capri. Die Wanderung dauert drei bis vier Stunden und erfordert keine technische Erfahrung, aber gutes Schuhwerk. Beste Zeiten: Frühling und Herbst.

Limoncello, Sardellen und die Aromen der Küste

Die Sfusato-Amalfitano-Zitrone ist ein riesiges Fruit mit dicker, intensiv duftender Schale, aus dem handwerklicher Limoncello entsteht. Die Scialatielli al limone — frische Pasta aus den 1960ern von Koch Enrico Cosentino — werden mit Meeresfrüchten serviert. Die Delizia al limone — Limoncello-getränkter Biskuit mit Zitronencreme — ist das Signature-Dessert der Region.

Am anderen Ende steht Cetara mit seiner Colatura di alici — fermentierte Sardellensauce in Kastanienfässern, direkte Erbin des römischen Garum, seit 2020 mit geschützter Ursprungsbezeichnung — eines der begehrtesten Würzmittel der italienischen Küche.

Ruinen von Pompeji
Pompeji, nur wenige Kilometer von der Küste entfernt, ein weiteres Muss der Region

Pompeji und Herculaneum: Geschichte unter der Asche

Pompeji und Herculaneum, 79 n. Chr. vom Vesuv verschüttet, liegen weniger als eine Stunde von der Küste entfernt. Pompeji ist größer und berühmter, Herculaneum kleiner aber besser erhalten. Anreise: SITA-Bus nach Sorrent, dann Circumvesuviana. Eintritt: 20 Euro Pompeji, 16 Euro Herculaneum.

Wann hin und wie herumkommen

Empfehlung: Mai-Juni oder September-Oktober. Im Mai blühen die Zitronenbäume; im Oktober sinken die Preise bei noch warmem Meer. Winter bietet absolute Einsamkeit.

Fortbewegung: SITA-Sud-Busse (24-Stunden-Pass für 12 Euro), Fähren von März bis November, oder eigenes Auto (Freiheit, aber Parkplatzalptraum). Private Boote erschließen verborgene Buchten. Anreise: Zug nach Salerno ab Rom (2 Stunden) dann Bus oder Fähre, oder Flughafen Neapel-Capodichino mit Transfer.

Wenn die Amalfiküste Sie erobert hat, ist Neapel das perfekte Tor. Unser Wochenend-Reiseführer für Neapel zeigt Ihnen, wie Sie die Küste von der Stadt aus erreichen, mit Routen inklusive Google Maps, empfohlenen Restaurants, Fähr- und Businformationen sowie allem, was Neapel selbst zu bieten hat — von Pompeji bis zur besten Pizza der Welt.

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