Die Verbotene Stadt in Peking: Geschichte, Geheimnisse und Vollstandiger Fuhrer zum Grossten Palast der Welt
Vollstandiger Fuhrer zur Verbotenen Stadt in Peking: 500 Jahre Kaisergeschichte, 24 Kaiser, Architektur, Symbolik und praktische Tipps.

Es gibt nur wenige Orte auf der Erde, an denen Geschichte mit solcher Intensitat spurbar ist wie in Pekings Verbotener Stadt. Dieser 720.000 Quadratmeter grosse Palastkomplex, der 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklart wurde, ist nicht nur der grosste jemals errichtete Kaiserpalast: Er ist ein Universum fur sich, eine Stadt in der Stadt, in der 500 Jahre lang uber das Schicksal der altesten Zivilisation der Welt entschieden wurde. Jeder Stein, jede glasierte Dachziegel, jeder in seine Saulen geschnitzte Drache erzahlt ein Kapitel einer Geschichte, die 1406 begann und heute mehr als 17 Millionen Besucher pro Jahr anzieht.

Warum heisst sie Verbotene Stadt
Der chinesische Name Zijincheng (紫禁城) ubersetzt sich wortlich als 'Purpurne Verbotene Stadt'. Der Purpur-Bezug verweist nicht auf die Farbe der Mauern, sondern auf die Ziwei-Konstellation, zentriert auf den Polarstern, der in der chinesischen Kosmologie die Wohnstatte des Himmlischen Kaisers darstellte. So wie der Polarstern fest am Himmel stand, wahrend sich alle anderen Sterne um ihn drehten, sollte der irdische Kaiser unbeweglich im Zentrum seines Palastes verweilen, wahrend sich das Reich um ihn bewegte.
Der Begriff 'verboten' war wortlich gemeint: Von der Einweihung 1420 bis zum Fall des letzten Kaisers 1912 war der Zugang ohne ausdruckliche kaiserliche Genehmigung verboten. Gewohnlichen Burgern, die versuchten, die Tore zu durchschreiten, drohte die Todesstrafe. Fast funf Jahrhunderte lang sah die grosse Mehrheit der chinesischen Bevolkerung nie, was hinter diesen 10 Meter hohen karmesinroten Mauern lag, die zudem von einem 52 Meter breiten Wassergraben geschutzt wurden.
Der Bau: Ein kolossales Unterfangen
1406 befahl Kaiser Yongle (朱棣), der dritte Herrscher der Ming-Dynastie, den Bau eines neuen Kaiserpalastes in Peking. Yongle hatte den Thron von seinem Neffen usurpiert und musste die Hauptstadt von Nanjing nach Peking verlegen, um seine Macht im Norden zu festigen und die Grenze gegen die Mongolen zu verteidigen. Das Unterfangen war kolossal: Mehr als eine Million Arbeiter wurden mobilisiert, darunter 100.000 spezialisierte Handwerker.
Kostbares Nanmu-Holz kam aus den Dschungeln von Yunnan und Sichuan, monatelang uber Flusse und Kanale transportiert. Weisse Marmorblocke wurden aus Steinbruchen bei Peking gebrochen; das grosste Stuck, eine 16 Meter lange, 250 Tonnen schwere Rampe hinter der Halle der Bewahrten Harmonie, wurde im Winter uber kunstliches Eis transportiert, das durch Wassergiessen auf die gefrorene Strasse erzeugt wurde. Die beruhmten 'goldenen Ziegel' fur die Boden der Haupthallen wurden monatelang in speziellen Ofen der Provinz Suzhou gebrannt, bis sie einen metallischen Glanz erhielten und wie Glocken klangen.
Der Bau dauerte 14 Jahre. 1420 weihte Kaiser Yongle die Verbotene Stadt offiziell als neue Reichshauptstadt ein. Doch nur Monate nach der Einweihung zerstorte ein Blitz die drei Haupthallen, was viele als Zeichen himmlischer Missbilligung deuteten.
24 Kaiser und zwei Dynastien
Im Laufe ihrer Geschichte als kaiserliche Residenz beherbergte die Verbotene Stadt 24 Kaiser: 14 der Ming-Dynastie (1420-1644) und 10 der Qing-Dynastie (1644-1912). Der erste war Yongle selbst. Der letzte, der Kinderkaiser Puyi, bestieg 1908 im Alter von nur drei Jahren den Thron.
Der Ubergang zwischen den Dynastien war dramatisch. 1644 nahm die Rebellenarmee von Li Zicheng Peking ein, und der letzte Ming-Kaiser Chongzhen erhangte sich auf dem Kohlehugel (heute Jingshan-Park) direkt hinter der Verbotenen Stadt. Wochen spater marschierten die Mandschu aus dem Norden mit Hilfe von General Wu Sangui in Peking ein und grundeten die Qing-Dynastie, die 268 Jahre lang von denselben Hallen aus regieren sollte.

Unter den Qing erlebte die Verbotene Stadt ihre grosste Blute mit Kaisern wie Kangxi, der 61 Jahre regierte, und Qianlong, der sie mit Garten und Kunstsammlungen verschonerte. Doch sie erlebte auch ihren Niedergang: die Opiumkriege, die Invasion westlicher Machte wahrend des Boxeraufstands 1900 und die wachsende Schwache des Hofes erodierten allmahlich die kaiserliche Macht. Nach der Revolution von 1911 dankte Kaiser Puyi im Februar 1912 ab.
Der letzte Kaiser und die Vertreibung von 1924
Obwohl Puyi 1912 formell abdankte, durfte er unter den mit der neuen Republik ausgehandelten 'Artikeln gunstiger Behandlung' weiterhin im inneren Teil der Verbotenen Stadt leben. Am 5. November 1924 putschte Kriegsherr Feng Yuxiang, schaffte die kaiserlichen Privilegien ab und vertrieb Puyi aus dem Palast. Man gab ihm kaum drei Stunden zum Verlassen. Ein Jahr nach Puyis Vertreibung, im Oktober 1925, offnete die Verbotene Stadt ihre Tore als Palastmuseum (故宫博物院) und erlaubte dem chinesischen Volk erstmals zu sehen, was ihm jahrhundertelang verwehrt worden war.
Die Architektur: 980 Gebaude und 8.728 Raume
Laut der offiziellen Zahlung von 1973 umfasst die Verbotene Stadt 980 erhaltene Gebaude mit 8.728 Raumen, wobei eine spatere Nachzahlung 2012 die Zahl auf 1.200 Gebaude und 9.371 Raume erhohte. Der Komplex ist entlang einer fast einen Kilometer langen Nord-Sud-Achse organisiert, nach Feng-Shui-Prinzipien: Der Palast blickt nach Suden, um positive Energie zu empfangen, wahrend im Norden der kunstliche Kohlehugel ihn vor kalten Winden und bosen Geistern aus dem Norden schutzt.
Der Aussere Hof
Das zeremonielle Herz bilden drei monumentale Hallen auf der Zentralachse. Die Halle der Hochsten Harmonie (太和殿, Taihe Dian) ist mit 2.377 Quadratmetern das grosste und wichtigste Gebaude. Die Halle der Mittleren Harmonie (中和殿, Zhonghe Dian) diente als Vorbereitungsraum, und die Halle der Bewahrten Harmonie (保和殿, Baohe Dian) war Schauplatz der kaiserlichen Bankette und der Abschlussprufungen fur angehende Mandarine.
Der Innere Hof
Der Palast der Himmlischen Reinheit (乾清宫, Qianqing Gong) war die offizielle Residenz des Kaisers unter den Ming. Ab Kaiser Yongzheng (Regierung 1722-1735) verlagerte sich die Residenz in die Halle der Geistigen Kultivierung (养心殿, Yangxin Dian), wo die letzten acht Qing-Kaiser lebten und regierten. Hier ubte Kaiserinwitwe Cixi hinter einem Seidenvorhang jahrzehntelang die tatsachliche Macht aus.
Der Kaiserliche Garten
Am nordlichen Ende bietet der Kaiserliche Garten (御花园, Yuhuayuan) auf 12.000 Quadratmetern jahrhundertealte Zypressen, kunstliche Felsformationen, Goldfischteiche und Pavillons - ein Kompendium chinesischer Landschaftsasthetik.

Die verborgene Sprache: Kaiserliche Symbolik
Jedes Element der Verbotenen Stadt ist bedeutungsgeladen. Die Zahl 9 (九, jiu), homophon zum Wort fur 'Ewigkeit', erscheint uberall: Die Haupttore haben 81 Beschlage (9x9), die Dacher der Haupthallen tragen 9 mythische Tierfiguren, und die grosse Marmorrampe ist mit 9 Drachen verziert. Die gelbe Farbe der glasierten Ziegel war dem Kaiser vorbehalten. Drachen, Symbol des Kaisers, zahlen uber 12.000 Darstellungen im gesamten Komplex.
Das Palastmuseum: Ein Schatz fur die Menschheit
Seit seiner Eroffnung 1925 hat sich das Palastmuseum zu einem der meistbesuchten Museen der Welt entwickelt, mit 17,6 Millionen Besuchern im Jahr 2024. Seine Sammlungen umfassen etwa 1,86 Millionen Stucke. Im Dezember 2025 eroffnete das Museum die Halle der Geistigen Kultivierung nach einer jahrzehntelangen Restaurierung wieder.
Die Verbotene Stadt und der Tiananmen-Platz
Die Verbotene Stadt und der Tiananmen-Platz bilden ein untrennbares Ensemble im Herzen Pekings. Beide sind Teil der 7,8 Kilometer langen Zentralachse Pekings, die 2024 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklart wurde.
Praktische Tipps fur Ihren Besuch
Offnungszeiten: Dienstag bis Sonntag. April-Oktober: 8:30-17:00 Uhr (letzter Einlass 16:00). November-Marz: 8:30-16:30 Uhr (letzter Einlass 15:30). Montags geschlossen ausser an Feiertagen.
Tickets: 60 Yuan (ca. 7,50 Euro) Hauptsaison (April-Oktober), 40 Yuan (ca. 5 Euro) Nebensaison. Sonderausstellungen je 10 Yuan extra. Tickets im Voraus auf der offiziellen Website (https://intl.dpm.org.cn/) kaufen, Tageslimit 40.000 Besucher.
Empfohlene Dauer: 3-5 Stunden. Der Mindestweg entlang der Zentralachse dauert 2-3 Stunden.
Beste Route: Eingang durch das Mittagstor (Wumen) im Suden, Zentralachse nach Norden. Bei Zeit Abstecher nach Westen zur Halle der Geistigen Kultivierung und nach Osten zur Uhren-Galerie. Ausgang durch das Tor der Gottlichen Tapferkeit (Shenwumen), dann Aufstieg zum Jingshan-Park fur die beste Panoramaaussicht.
Tipp: Fruhmorgends bei Offnung anreisen. Die Menschenmassen konzentrieren sich ab dem spaten Vormittag in den Ausseren Hallen.
Wenn die Verbotene Stadt Ihre Neugier geweckt hat, finden Sie in unserem 5-Tage-Peking-Fuhrer Tag-fur-Tag-Routen mit Google Maps, empfohlene Restaurants nach Bezirken, praktische Transportinformationen und die besten Routen zur Erkundung der chinesischen Hauptstadt.
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